Wenn ein Angehöriger gestorben ist, hat man schon mit den ganzen Offlineabmeldungen und -Formalitäten hinreichend zu tun: Versicherungen, Behörden, Telefonanbieter, Banken und so weiter. Für die Hinterbliebenen kann es eine echte Herausforderung darstellen, auch noch die ganzen Onlineanbieter zu sortieren und dort zu melden, dass der Teilnehmer nicht mehr unter den Lebenden weilt.
In Schweden hat sich jemand mit diesem Thema beschäftigt und einen Dienst entworfen, der denen, die es ihren Angehörigen leichter machen wollen, die Möglichkeit dazu bietet:
Auf jetzt.de stellt ein User-Artikel webwill.com vor: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/479698
Ich glaube nicht, dass solch ein Dienst nur für diejenigen interessant ist, die ihre Präsenz im Netz schon unter “zweite Identität” einordnen wollen. Beziehungsweise dass es gleich darum gehen muss, auch im großen Wäwäwä würdevoll abzutreten. Auch wenn das sicher Aspekte sind, die dabei eine Rolle spielen dürfen. Beachtenswert ist aus meiner Sicht vor allem der Gedanke, Angehörigen das Prozedere zu erleichtern. Und die Idee, dass im Blog ein selbstformuliertes Abschiedsposting erscheint, hat was.
Nein, ich habe mich dort noch nicht registriert, bin auch gar nicht entschieden, ob ich den Dienst nutzen möchte (Tendenz: nope). Ich werde abwarten, wie seriös und professionell sich die Abwicklung langfristig gestaltet (hallo Datensicherheit und Missbrauch). Dazu gibt’s im Laufe der Zeit vielleicht Erfahrungsberichte. Soweit ich es verstanden habe, ist man bei webwill.com noch in der Betaphase, und beta tut nicht not auf so einem sensiblen Feld.
Der Dienst – einerseits ein neues Web-2.0.-Angebot, andererseits aber auch nicht typisch – wirft spannende Fragen auf: Wie wird so etwas angenommen? Welche Entwicklung nimmt das Ganze? Und nicht zuletzt: Könnten tatsächlich Prozesse wie eine Enttabuisierung des Todes angestoßen werden?